Was ist die Düttmann Siedlung

Wo die ‚Dütti‘ liegt

Die Werner-Düttmann-Siedlung wurde in der 1980er Jahren im Bezirk Kreuzberg – im Süd-Osten Berlins – gebaut. Sie befindet sich in einer für Berliner Verhältnisse ziemlich dicht gebauten Umgebung, dessen Bausubstanz aus dem Ende des 19. Jahrhundert stammt.

Die Fläche bildet beinahe ein Quadrat, das im Norden von der Urbanstraße, im Osten von der Jahnstraße, im Süden von der Hasenheide und im Westen von der Graefestraße abgegrenzt wird.
Damit übernimmt sie praktisch dasKataster bzw. die Blockbebauung, die seit den 1880ern vorhanden ist.

Die Stadt Berlin mit ihren aktuellen Grenzen wurde 1920 aus der Zusammenlegung von 23 Gemeinde gebildet – so hat sie heute noch mehreren Zentren. Dennoch kann man sagen, dass die Werner-Düttmann-Siedlung zentral gelegen ist. Läuft man z.B. die stark befahrene Urbanstraße in Richtung Osten, erreicht man nach fünf Minuten den Hermannplatz, einen Verkehrsknoten, wo einst das größte Einkaufshaus Europas gebaut wurde (heute Karstadt).

Die ebenfalls stark befahrene vierspurige Magistrale Hasenheide bildet eine starke Grenze: hier hört die Stadt auf und führt auf den gleichnamigen 50 Hektar großen Volkspark – Stadtoase für die einen, Dealeranhaltspunkt für die anderen. Die schmalen Jahn- und Graefstraße hingegen sind beinah von einem Dorfcharakter geprägt: Kopfsteinpflaster, Einzelläden und kleine Terrassen.

Die 100 Jahre davor

In den 1840er Jahren war die Randzone entlang der heutigen Hasenheide zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Neben dem gesamten „Rummel“ baten die dort angesiedelte Brauereien prächtig ausgestattete Biergärten. Im Jahr 1854 wurde die Strasse entlang der „Hasenhaide“ zur Chaussee ausgebaut, was die Popularität des Gebiets noch erhöhte. Von da an tanzte der Bär – bis zum Ende des 2. Weltkrieges.

Auf dem Gelände der „Dütti-Siedlung“ befand sich die Unions-Brauerei, damals eine der größten Brauereien Berlins, mit seinem großen Biergarten und dem 1889 errichteten „Kaisersaal“. Dieser ist als einziges Gebäude erhalten geblieben und steht heute unter Denkmalschutz.

1910 stand an der Ecke zur Graefestraße die Happoldt Union Brauerei. Diese wurde 1920 von der Schultheiss-Brauerei gekauft, die eines der Gebäude zum Festsaal ausstatten ließ: den „Orpheum“.

In seinem 1929 veröffentlichtem Werk „Spazieren in Berlin“ staunte Franz Hessel über das Etablissement:
„Happolt ist offenbar das Feinste gewesen: Marmorsäle, Glassalon, Trumeaux vom Mosaikfußboden bis zur gemalten Decke, ,Kronenleuchter wie in dem Palast eines Fürsten‘ usw. Und dann war da noch Lücke, wo die Aristokraten sich trafen […]. Madame Brösecke bleibt lieber mit ihren Gevatterinnen bei Höfchen […] während es ihre Tochter Pinchen hier zu ‚gemischt‘ findet“

In den benachbarten Lokalen konnten die kinderreichen Familien ihren eigenen Kaffee kochen.
Ob man damals von einer gewissen sozialen Mischung sprechen konnte?

Der „Orpheum“ wurde während des 2. Weltkriegs zerbombt und 1951 als „Neue Ballhaus Resi“ neu gebaut. Schnell wurde das Etablissement ein Anlaufpunkt des wilden Berliner Nachtlebens. Wasserspiele, Rohrpostanlage und Tischtelefone waren beliebte Attraktionen.
Das „Resi“ wurde 1977 geschlossen, ein Jahr später wurde das Gebäude gesprengt.
West-Berlin wurde für die Industrie weniger attraktiv, der Boden der eingesperrten Stadt war kostbar, die Brauereien fungierten zu immer größeren Konzerne: der Platz wurde frei für eine neue Zeit.

Die Siedlung entsteht

Gropiusstadt, Märkisches Viertel, Kottbusser Tor: städtebaulich kaum mit der Dütti zu vergleichen.

Die „Dütti-Siedlung“ gehört dem Bezirk Kreuzberg, der nach dem Mauerbau 1961 West-Berlin zugeordnet war. Die Teilung der Stadt führte in West-Berlin zu einem Mangel an Baugelände, wo im Rahmen des Wiederaufbaus die Wohnungsnachfrage noch stark war. In den 1970er Jahren waren die Antworten darauf die Wohnsiedlungen Märkisches Viertel und Gropiusstadt, die dem gängige Hochhaus-Konzept der „Urbanität durch Dichte“ folgten.

Die Architekten der Werner-Düttmann-Siedlung – Rainer Oefelein und Bernhard Freund – wandten sich gegen diese bauliche Dichte und setzten auf eine autarke, familien- und kindgerechte Stadt in der Stadt, sowie auf eine baulich-funktionale Trennung von Fußgängern und Autoverkehr.

Oefelein war bereits für das umstrittene Konzept der High-Deck-Siedlung des benachbarten Bezirks Neukölln bekannt: die Einwohner sollten sich auf der Ebene +1 begegnen, während Autos und Straßen eine Ebene tiefer angelegt waren. Die Idee findet man nur auf einer reduzierten Fläche in unserer viel kleineren „Dütti-Siedlung“, wo eine Straße von der Hasenheide her zu einem halb-unterirdischen Parkplatz führt.

Der Rest der Siedlung trägt den Charakter einer kleinen geschützten Fußgängerzone, mit fünf- bis sechsetagigen Gebäude, Vorgärten, einem zentralen Platz und – für Berlin atypischen – kurvenförmigen Straßen.

Die Bauarbeiten fingen 1978 an und die ersten Mieter – zum großen Teil junge Arbeiter-Familien aus den Altbaugebieten Kreuzbergs und Neuköllns – zogen 1980 in die 3.000 Wohnungen ein.
Die zeitgemäßen Wohnungen in ruhiger Lage waren begehrt und es mussten Wartelisten angelegt werden.

Miete und Mischung

Dieser Text wird Ende Juli 2015 online gestellt.

Die Düttmann-Siedlung hat seit 10 Jahren ein Quartiersmanagement

Im Juni 2005 hat der südliche Teil des Graefekiezes in Berlin Kreuzberg, mit dem Namen Werner-Düttmann-Siedlung, ein Quartiersmanagement erhalten. Dies bedeutete eine Förderung durch das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt um das Gebiet aufzuwerten und zu stabilisieren.

Der Schwerpunkt der Gebietsentwicklung liegt auf der Integration und Einbindung aller Bevölkerungsschichten und der Gewinnung strategischer Partner, wie Eigentümer, Vereine, Kitas und Schulen.
Handlungsfelder des Quartiersmanagements sind die Stärkung von nachbarschaftlichem Engagement für das Wohngebiet, die Verbesserung des Zugangs zu Bildung und zu Erwerbstätigkeit und die Aufwertung des öffentlichen Raumes.

Flankiert werden sozial-kulturelle Maßnahmen durch bauliche Investitionen. Ein Quartiersmanagementverfahren bedeutet zum einen, dass Fördergelder zur Verfügung gestellt werden und zum anderen, dass sich viele Menschen mit ihrem Engagement an einer positiven Gebietsentwicklung beteiligen, mitentscheiden und Veränderungen mittragen.

Bewohnerbeteiligung findet im Rahmen des Quartiersrates und durch Bewohnerforen statt.
Gebietsbeauftragte ist das Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V. mit seinem Quartiersmanagement-Team.

Erlebnisräume für Kinder und Jugendliche

Die Förderung der Kinder war den Quartiersratsmitgliedern in den 10 Jahren immer ein besonderes Anliegen, denn „Kinder sind die Flügel des Menschen“ sagt nicht nur ein arabisches Sprichwort.

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Die Kita Hasenheide, Urbanstr. 48 k am Werner-Düttmann-Platz.
Die Kita ist für 132 Kinder im Alter von einem halben Jahr bis sechs Jahren ausgerichtet.

Das Kinderlabor findet im Kindertreff am Werner-Düttmann-Platz statt und bietet seit 2011 Raum für entdeckendes Lernen und Freizeitgestaltung für Kinder im Alter von 5-7 Jahren. – Eltern sind willkommen.

Das GraefeKids in der Hasenheide 44.
In der Kinderfreizeiteinrichtung entfalten seit Januar 2011 Kinder im Alter von 8-13 Jahren durch zahlreiche Sport-, Spiel und Erlebnisangebote ihre Fähigkeiten und erfahren Handlungsspielräume im Miteinander sein.

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Der drehpunkt in der Urbanstraße 43/44.
Die Jugendfreizeiteinrichtung ist seit 14 Jahren Anlaufstelle für  Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren, um an verschiedenen Werkstätten und Projekten teilzunehmen, sich zu treffen und einfach zu chillen.

Treffpunkte für Nachbarschaft und Familie

http://www.nachbarschaftshaus.de/home/

Der Nachbarschaftstreff am Werner-Düttmann-Platz
Seit dem Umbau von eine Kneipe zu einem Nachbarschaftstreff (in 2006) ist der Nachbarschaftstreff ein Ort, um sich Rat einzuholen, ein Treffpunkt für Austausch und Veranstaltungen, für Mütter, Väter und Senioren und zum mit machen und mitgestalten.
Das Familienbündnis nutzt den Nachbarschaftstreff als Treffpunkt für Mütter, Väter und Familien und die GraefeSüdTöchter nutzen den Nachbarschaftstreff für ihre Projekte und als Treffpunkt für Mädchen.

Akteure der Gebietsentwicklung

Netzwerke rund um die Düttmann-Siedlung

  • Trägerrunde Düttmann-Siedlung, ein Netzwerk von 23 freien und kommunalen Trägern, die mit ihren Ressourcen und Aufgaben die Gebietsentwicklung mittragen. (seit 1999)
  • Bildungsnetzwerk Graefekiez, ein Zusammenschluss von Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen (Neugründung in 2014)

Bewohnerengagement und BewohnerInitiativen:

  • Der Quartiersrat Düttmann-Siedlung (trifft sich im Nachbarschaftstreff)
  • Die Aktionsfondsjury Düttmann-Siedlung (trifft sich im VorOrt-Büro des Quartiersmanagments)
  • Der Bildungsbaum e.V. – der Nachbarschaftverein (trifft sich im Nachbarschaftstreff)
  • Die Nähwerkstatt für Frauen (trifft sich im Nachbarschaftstreff)

Das Quartiersmanagement

VorOrt-Büro in der Jahnstraße 4, 10967 Berlin
Tel. 030 / 9212500-0
Das QM-Team: Angelika Greis, Songül Dogan, Phillip Koller
Kiezredakteurin: Rabea Zeller

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